Größe und Dekadenz: die große Inhalts-Saga

Wie bei Lebewesen gibt es auch für marketing- und kommunikationsbezogene Inhalte Geburt, Leben und Tod. Doch ihr Lebenszyklus kann sehr viel komplexer sein! Lassen Sie mich das erläutern:

Künstliche Befruchtung

Inhalte entstehen selten aus reinem Zufall. Schlimmer noch, ihre Schöpfer gehen bisweilen sogar so weit, ein genaues Geburtsdatum zu planen – oder zumindest einen offiziellen Präsentationstermin. Der „Inhalts-Sprössling“ existiert bereits in der Rückwärtsplanung seiner Eltern, manchmal mehrere Monate vorher. Jeder muss natürlich noch seinen Senf dazugeben, denn die Konzipierung erfolgt gemeinsam im Rahmen einer MRM-Lösung (Marketing Resource Management).

Schwangerschaft

In der Mediathek (einem der MRM-Dienste) erblickt der neue Inhalt das Licht der Medienwelt. Sein Leben ist bereits durchgeplant, denn der Inhalt ist für einen ganz bestimmten Zweck erdacht worden. Schon vor der Veröffentlichung erhält er einen Namen, wird in ein Verzeichnis aufgenommen, abgehorcht, freigegeben, getaggt und seinen neuen Spielkameraden vorgestellt (denn im Land der Inhalte sucht man sich seine Freunde nicht aus!).

Der große Markt des Lebens

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt! Der Nachwuchs des Marketing-Adels, darunter der Ritter „Unternehmensfilm“, der Prinz „E-Book“ oder auch der Herzog „Geschäftsführerfotos vor der Fabrik“ werden rasch in die Schlacht entsendet, bei der sie durchaus das Risiko eines vorzeitigen Ablebens eingehen. Herr Fabrikarbeiter kommt im Vergleich ganz gut davon: Ein Produktfoto kann sogar darauf hoffen, mehrere Jahre von Nutzen zu sein. Auch wenn sie aus einer anderen Produktionsstätte kommen, befinden sich diese Produkte in zwei Bereichen auf vollkommener Augenhöhe. Erstens vor dem harten Gesetz des Marktes: Sie kommen nur dann zum Einsatz, wenn die Marketingteams es so vorsehen. Zweitens bei der heiligen Rechteverwertung, die, ganz im Alleingang, über ihre Nutzung bestimmt: geografische Zone, Support, Dauer usw.

Geplante Obsoleszenz

Selten verbringen Inhalte ihren Lebensabend in der Sonne. Ihr Ende wird meistens schon auf dem Altar der Rechte besiegelt. Jeden Tag löscht das Digital Asset Management (DAM) vollkommen automatisch und völlig erbarmungslos diejenigen, die ihre administrative Zeit bereits verbucht haben. Ausnahmslos. Andere werden aufgrund visueller Ermüdung vom Netz genommen, weil sie von der Datenpolizei, die sich niemals irrt, gefasst worden sind. Doch alle zittern sie vor der Seuche, die auf einen Schlag einen wahren Foto-Völkermord auslösen kann: der Logowechsel!

Die Lieblinge

Wie in jeder Gesellschaft gibt es diejenigen, die gleicher sind als andere. So mancher Inhalt, den man der Öffentlichkeit nicht mehr zumuten möchte, wird in letzter Minute abgefangen. Den vom Glück Begünstigten wird ein neues Leben in einem anderen Land oder auf einem neuen Markt vorgeschlagen, manchmal mit einem kompletten „Umstyling“ obendrein. Andere bekommen lediglich einen Aufschub: Sie werden geklont, wenn auch mit Verbesserungen, denn „die Idee war gut, doch dieses Foto ist wirklich zu veraltet“. Die in Ungnade gefallenen Stars verbringen ihre letzten Tage im Altersheim für Inhalte: Im Bereich „Geschichte & Archiv des Hauses“ auf der Unternehmenswebseite … Doch dort kommt sie kaum jemand besuchen.

Archäologie 2.0

Nun, da Sie das Schicksal Ihrer Marketinginhalte kennen, durchforsten Sie ruhig Ihren Computer, stöbern Sie in den geteilten Dateien Ihrer Abteilung oder kramen Sie gar in einigen Papierarchiven. Sie werden dort sicherlich aufregende Schätze und lustige Überraschungen entdecken. Und mit etwas Glück auch einige gute Ideen und Inspirationen für Ihre nächsten Marketing- oder Kommunikationskampagnen. Vielleicht werden Sie von nun an Ihre Inhalte aus einem anderen Blickwinkel betrachten?

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